Schneider Fritz "unser Clubvater " R.I.P.

Geboren wurde Fritz Schneider im Jahre 1921 jenseits der Grenze in Niederbayern und zwar im Walddorf bei Ihrlerstein. Der Liebe wegen schlich er nach Deuerling in der Oberpfalz, wo er 1954 seine Anni (Seidl) heiratete.

Er hatte zwar auch einen ehrlichen Beruf, aber wesentlich wichtiger war, dass er in den 70er Jahren das Bräustüberl in Deuerling bewirtschaftete.

Es herrschte dort eine ganz besondere Atmosphäre.  Wer dort „a Haferl“  Kaffee bestellte, bekam das köstliche Getränk manchmal tatsächlich im Kaffeetopf serviert!

Gefürchtet in dieser Kneipe war das „Schnapsessen“. Hochprozentige Getränke wurden nach ihren Farben geordnet angeboten. Meistens nahm man aber lieber einen Klaren, weil den  die Leber nicht sehen konnte.

In diesem Umfeld wurde 1970 der Automobilclub AMC Deuerling gegründet. Gründungsmeister war Fritz Schneider. Seine Mitgründer waren Franz Seidl, Georg Reithner, Helmut Praller und Ali Sigl. Später gesellte sich auch noch Heinz Festner dazu.

Eigentlich schwebte dem Fritz ein rein örtlicher Verein vor, ein ADAC-Ortsclub mit Clubabenden, Ausflügen, Jugendveranstaltungen und natürlich auch etwas Motorsport. Ein selbstständiger Ortsclub konnte man damals allerdings nicht werden. Dazu hätte man mindestens 40 ADAC-Mitglieder im Verein haben müssen. Also wurde man ein Ableger des ADAC-Ortsclubes Regensburg, dessen Vorsitzender Franz Sieber zu den Freunden von Fritz Schneider gehörte. Er wurde bald der „Onkel Franz“ des AMC Deuerling.

Franz Sieber zwischen Anni und Fritz Schneider. Fritz war von Anfang an die Gallionsfigur des AMC, der nach zwei Jahren schon etwa 150 Mitglieder zählte. Die monatlichen Clubabende, in denen auch viel „Benzin geredet“ wurde, waren meist gut besucht. In regelmäßigen Abständen kam dort auch die Polizei zu Wort. Schließlich hatten wir drei Uniformträger als Mitglieder. Der AMC veranstaltete die ADAC-Fahrrad-Turniere nicht nur in Deuerling sondern auch in Laaber und in den Schulen anderer Orte. Später kamen dann auch noch die Tretcar-Turniere dazu. Die Sieger wurden vom AMC zu den Regional- und Gauturnieren gebracht und dort betreut und so wurden wir bald in Südbayern ziemlich bekannt. Fritz war der Organisator unserer alljährlichen Wochenend-Bus-Ausflüge. Rein gewohnheitmäßig warnte er die Besitzer der Hotels, in denen wir übernachteten, davor, auch noch andere Gäste aufzunehmen. In Linz führte Fritz einmal so gegen 5 Uhr früh einen Trauerzug mit einer auf einer ausgehängten Zimmertür ruhenden Schnapsleiche durch sämtliche Hotelgänge. Der Trauergesang brachte die Restgäste dazu, zu unchristlich früher Zeit fluchtartig das Hotel zu verlassen!

Vor der Abfahrt nach Kufstein. Im Auracher Löchl hielten wir uns ziemlich lange auf. Da schmeckte uns sogar das ausländische Bier!

Beim Fritz geht alles mit Musik. Hier ist er mit seiner Einmann-Kapelle auf rein privatem Weg, dessen Ziel über der Tür angedeutet ist. Auch hierbei ist Musikbegleitung erforderlich (wegen der tiefen Töne!).

Der Motorsport wurde beim AMC zunächst einmal relativ klein geschrieben. Fritz war eigentlich mehr ein Zweirad-Fahrer und besaß eine 200 ccm NSU-Lux. Auf diesem Gerät fuhr die AMC-Jugend in den Randgebüschen von Deuerling „Trial“! Arme Lux! Startnummern hatten wir, aber auf biegesteife Kopfbedeckungen haben wir damals noch großzügig verzichtet.

Für ein Go-Cart-Rennen bekamen wir einmal das Gelände der Autobahn-Meisterei zur Verfügung gestellt. Die guten Beziehungen von Fritz reichten sogar bis München! Es waren Geräte mit Rasenmäher-Motor, die demMutterclub Regensburg gehörten. Um überhöhte Geschwindigkeiten zu verhindern, war der Parcours mit vielen gemeinen Kurven bestückt und die „Rennautos“ hatten eine sehr direkte Lenkung: Manche Teilnehmer konnten am nächsten Tag die Vorderflossen kaum noch bewegen! Die jungen Wilden vom AMC. Fritz ist der schon etwas ältere Brillenträger.

Für die Jüngsten wurde ab 1972 jeweils am Ostermontag eine Ostereiersuchfahrt organisiert. Bis zu 50 Nester für die Vorschulkinder und rund 600 bunte Eier für den Rest der Teilnehmer wurden irgendwo in der Natur versteckt und stundenlang bewacht. Abschließend wurden bei der Mondscheinwirtin in Polzhausen noch Spiele und Wettbewerbe für die Kinder angeboten. Die Lautstärke im Saal war der eines startenden Düsenjägers vergleichbar! 1978 war die Veranstaltung recht gut besucht. Die Startgebühr betrug damals 10.-DM pro Fahrzeug, ohne Rücksicht auf die Zahl der Insassen! Fritz beschaffte die Preise und war natürlich auch als Funktionär eingesetzt.

Jährlich im Herbst wurde eine Familienfahrt organisiert. Es war dies ein Familienausflug mit Sonderaufgaben für Fahrer und Beifahrer. Einmal mussten die Fahrer auf einem bereits abgemeldeten Käfer eine Runde in einer ehemaligen Sandgrube fahren. Vor dem Start mussten sie allerdings einen echten Helm aufsetzen und einen Dreipunktgurt anlegen (das war noch einige Jahre vor der Gurtpflicht!). Zu diesen „Vorbereitungsarbeiten“ brauchten die Rennfahrer länger als zu der Runde selbst! Auch hier gab es natürlich Spiele und Preise für die jüngeren Familienmitglieder. Herbstfahrt 1976. Fritz organisiert die Aufstellung zum Siegerfoto.

Einmal im Jahr blieben die Autos in der Garage – am Vatertag! Der AMC hatte sechs Wirte als Mitglieder, die an diesem Tag alle besucht wurden. Die Fußwanderung begann um 10 Uhr mit einer „Stehhalben“ beim Goss und endete am späten Abend im Schrammlhof. Von dort wurden dann die schwankenden Gestalten auf Abruf von Privat-Taxies abgeholt. Der korrekten Körperhaltung nach zu urteilen, muss es hier noch am frühen Nachmittag, also zwischen Wirt Nr.3 und Wirt Nr.4, gewesen sein.

Beim Herbstfest des AMC war der Goss-Saal ziemlich voll. Der Club hatte jetzt schon (1980) rund 200 Mitglieder. Auf ein Mitglied war Fritz besonders stolz: Auf Walter Röhrl, den zweifachen Rallye-Weltmeister. Walter gratuliert den besten Radfahrern von Deuerling.

In den 80er Jahren konnte der AMC 40 ADAC-Mitglieder nachweisen und wurde damit zum offiziellen ADAC-Ortsclub, der einzige Ortsclub des ADAC-Südbayern, der aus dem Gebiet nördlich der Donau kommt! Die Verbindung zum Mutterclub Regensburg bleibt trotzdem erhalten: Kein Fest in Deuerling, an dem die Regensburger Vorstandschaft nicht teilnimmt! Einmal schaffte es Fritz sogar, die Gemeinde (Gemeinderat + Pfarrei + Schule) zu einem Fußballspiel herauszufordern. Natürlich ging es dabei um einen guten Zweck: Die Zwiebel des Deuerlinger Kirchturms musste neu gedeckt werden. Obwohl das Gemeinde-Team vom Pfarrer Zens als Mittelstürmer bestens unterstützt wurde, hat der AMC gewonnen. Die Siegesfeier im Bräustüberl soll wesentlich länger gedauert haben, als das Fußballspiel. Die vom AMC im gleichen Zeitraum veranstalteten Orientierungsfahrten wurden ebenfalls in den Dienst der o.g. Kirchturmzwiebel gestellt und in „Deuerlinger Kirchturmfahrt“ umgetauft. Zu diesen Veranstaltungen kamen sogar die Profies aus München und Ingolstadt und sorgten dafür, dass für die einheimischen Starter kaum noch Pokale übrig blieben. Als Ortsverein beteiligte sich der AMC ganz natürlich auch an der Fronleichmams-Prozession. Dies führte jährlich zu einem Wettbewerb ob mehr Rothemden (TSV Deuerling) oder mehr Gelbhemden (AMC) teilnahmen. Da viele Deuerlinger in beiden Vereinen Mitglied waren, war das Ergebnis nie vorhersehbar. Über 25 Teilnehmer stellte jeder der beiden Vereine mindestens! Fritz war jedes Jahr dabei – aber nur bis zum 3. Altar! Als Chef-Organisator musste er sich rechtzeitig beim Goss nach links abseilen, um die besten Plätze für das abschließende Bratwustessen zu besetzen ….. und mit Klauen und Zähnen zu verteidigen. In den 80er Jahren wurde aus dem örtlichen Verein langsam ein mehr motorsportlich angehauchter Club. AMC-Mitglieder starteten bei Bergrennen und bei Rallyes und dies manchmal sogar im Ausland! In der näheren Umgebung waren Slalom und Orientierungsfahrten die Betätigungsfelder. Sogar im Vorstand lösten die echten Motorsportler langsam die Ortsgrößen ab. Nur der Fritz blieb an der Spitze! Ohne ihn lief schon gar nichts. Keiner konnte den Fritz dazu bringen, selber zu starten, aber als Zuschauer war er einer der Besten. Als sein Sohn sich unter den Quertreibern langsam einen Namen machte, war Fritz fast immer dabei. Einmal fuhr er rund 180 km, um „schnell“ ein wichtiges Ersatzteil zu holen! Das nennt man einen „erweiterten Service“! Die AMC-ler waren sich auch nicht zu schade, als Service-Teams mitzufahren. Meist waren es ja auch die gleichen Burschen, die an den anderen Wochenenden selber in den aufgemotzten Geräten saßen und die Truppenübungsplätze umpflügten. Max hatte nie Schwierigkeiten, ein gutes Service-Team zu finden. Dafür sorgte seine treusorgende Mutter (CMA = Club-Mutter Anni), die für das Reiseproviant zuständig war: First Class! Fünf Sterne reichen gar nicht!

Vor dem Start zur „München-Wien-Budapest“ auf dem Olympia-Parkplatz in München. Die AMC-ler waren sich auch nicht zu schade, als Service-Teams mitzufahren. Meist waren es ja auch die gleichen Burschen, die an den anderen Wochenenden selber in den aufgemotzten Geräten saßen und die Truppenübungsplätze umpflügten. Max hatte nie Schwierigkeiten, ein gutes Service-Team zu finden. Dafür sorgte seine treusorgende Mutter (CMA = Club-Mutter Anni), die für das Reiseproviant zuständig war: First Class! Fünf Sterne reichen gar nicht! Wie eine ordentliche Service-Mannschaft auszusehen hat, zeigt dieses Bild. Max kam damals bis Budapest ….. der Service leider nur bis Rosenheim. Die Montur allein macht es eben doch nicht!

Fritz natürlich wieder ohne Helm. Als ob der Kopf des AMC nichts wert wäre! Natürlich versuchte sich der AMC auch bald schon mit eigenen Bestzeit-Veranstaltungen. Der erste AMC-Slalom wurde bei Holzheim am Forst veranstaltet. Fritz kannte den Bürgermeister! Anni startete im rallyemäßig aufgemotzten Opel ihres Sohnes. Den Fritz konnten wir nicht zum Start bewegen, aber er fuhr auf dem Moped neben seiner Gattin her, um ihr den Weg durch die Pylonen zu zeigen ….. oder so.

Der AMC bekam bald einen rein motorsportlichen Charakter. Was im Umkreis von 50 km motorsportlich auf vier Rädern unterwegs war, war meist auch Mitglied im AMC.

"Fritz" und "AMC" waren immer nahezu gleichbedeutend. Wir Alten werden ihn wohl kaum vergessen. Texte von Heinz Festner